Das Theater der Dämmerung gastierte am 28.01.19 mit drei Vorstellungen an der TOB Wiehl.

Für die Abschlussklassen der TOB vollendet sich der Reigen durch die deutsche Literaturgeschichte mit dem Stück „Faust“ von Johann Wolfgang von Goethe.
Friedrich Raad und sein Mitstreiter Dimitri Lermann vom Theater der Dämmerung zeigten „Faust – der Tragödie erster Teil“ im Wechsel von Schattenspiel und dramatischen Szenen vor der Bühne. Geschickt eingespielte Foto-Collagen der heutigen Verjüngungspraxis Face-Lifting sowie Live-Style-Zerstreuungen, ermöglichen einen Zugang zu dem Stoff. Dabei zielt die Inszenierung nicht auf den frustrierten Intellektuellen Faust, sondern auf die Wonnen und Qualen der romantischen Liebe. Faust verführt mit Mephistos Hilfe Gretchen, sie erleidet gesellschaftliche Ächtung und nimmt am Ende ihr Schicksal an, während Faust sich in immer tiefere Schuld verstrickt. Das Böse, dargestellt in Mephisto, nähert sich Faust in Form eines perfekt dressierten Pudels – sprichwörtlich „in des Pudels Kern.“
Klassischer Stoff in Reimform, gut zugänglich in visuelle und akustische Sinneserlebnisse verpackt, gespickt mit Bezügen zur Lebenswirklichkeit des Publikums – das ist die Stärke des Theaters der Dämmerung. Kein Szenenapplaus durchbrach das in einem Guss gegebene Gastspiel, umso mehr Applaus gab es am Ende für die gelungene Darbietung. Hut ab vor der enormen Leistung der Bühnenkünstler!

Für den Jahrgang 7 gab es die Vorstellung „Deutsche Balladenklassiker“. Dabei ist besonders die Ballade von Geibel „Die Goldgräber“ hervorzuheben, die mit dem Schattentheater dargestellt wurde. Macht und Gier führen zum Untergang – ein aktueller Stoff. Professionelles Sprechen in verschiedenen Rollen, dazu ausladende Gestik und ausdrucksstarke Mimik erlebten die Schülerinnen und Schüler bei der Rezitation der ausgewählten Balladen. Die Ballade “Die Heinzelmännchen von Köln“ von Kopisch wurde um zwei Strophen ergänzt und nicht nur die Deutschlehrer*innen schmunzelten, als sie miterlebten, wie die Heinzelmännchen die Korrekturen der Klassenarbeiten vornahmen. Schade eigentlich, dass die Frau des Schneiders so neugierig war.

Das Theater der Dämmerung präsentierte das Märchen „Der goldene Vogel“ für alle Schülerinnen und Schüler der Klassen 5. Die Handlung des Märchens wird im Schattenspiel durch die beweglichen Stabfiguren dargestellt, in Szene gesetzt durch Licht und Farbenspiel vor einem wandelbaren Bühnenbild. Dazu kommen die musikalischen Einlagen, die die sinnfälligen Eindrücke steigern. Besonders die gekonnt moduliere Stimme fesselte das junge Publikum, das sich in der anschließenden Fragerunde die Schattenfiguren und die Bühnentechnik erklären ließ.